{"id":763,"date":"2018-12-06T19:03:59","date_gmt":"2018-12-06T19:03:59","guid":{"rendered":"http:\/\/dragundo.de\/?page_id=763"},"modified":"2019-05-06T12:11:12","modified_gmt":"2019-05-06T11:11:12","slug":"historie-der-carnica-sklenar","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/imkerverein-lev.de\/?page_id=763","title":{"rendered":"Historie der Carnica Sklenar"},"content":{"rendered":"<h5>Historie der Carnica Sklenar-Biene<\/h5>\n<p>Der Stamm 47 &#8211; Verkaufsschlager aus Mistelbach<br \/>\nGuido Sklenar<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-741\" src=\"https:\/\/imkerverein-lev.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/sklenar-179x300.jpg\" alt=\"\" width=\"179\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/imkerverein-lev.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/sklenar-179x300.jpg 179w, https:\/\/imkerverein-lev.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/sklenar.jpg 384w\" sizes=\"(max-width: 179px) 100vw, 179px\" \/>Guido Sklenar geboren am 15. Juni 1871; gestorben am 25. Mai 1953 in Mistelbach war Lehrer und \u00d6konomierat und Z\u00fcchter der Carnica-Linie.<\/p>\n<p>Im Weinviertel \u00d6sterreichs, also am Rande des eigentlichen Verbreitungsgebietes der Carnica, befasste sich Guido Sklenar mit der Selektion der bodenst\u00e4ndigen Biene. 1890 war er als Junglehrer nach Mistelbach gekommen, baute selbst einen Bienenstand auf und \u00fcbernahm kurze Zeit sp\u00e4ter zus\u00e4tzlich den Stand seines Schwiegervaters mit weiteren 36 V\u00f6lkern, so dass er insgesamt 50 V\u00f6lker bewirtschaftete. Schon im ersten Jahr fiel ihm eines seiner V\u00f6lker besonders auf; es lieferte den meisten Honig. Zudem unterschied es sich von den anderen V\u00f6lkern durch seine einmalige Ruhe und Sanftmut, die Stetigkeit der Winterversorgung und seine Wetterfestigkeit.<\/p>\n<p>Es flog auch dann noch, wenn die anderen V\u00f6lker daheim blieben. Bemerkenswert war auch die Anlage des Brutnestes. Von oben nach unten zeigten die Waben einen sch\u00f6nen Honigkranz, dem ein Streifen Pollen folgte, der dann die Brut umschloss. Dazu kam noch die gute \u00dcberwinterung mit auffallend geringem Totenfall. Ausgewintert kaum mittelstark, \u00fcberholte es in \u00fcberraschend kurzer Zeit alle anderen V\u00f6lker. Auch in den beiden n\u00e4chsten Jahren, als Sklenars Stand auf 70 V\u00f6lker angewachsen war, best\u00e4tigten sich diese Eigenschaften und das Volk lag wiederum in der Leistung an der Spitze. Der einzige Nachteil war die starke Verwendung von Propolis, Sklenar wollte von diesem Volk vermehren, aber es war durch keinerlei Ma\u00dfnahmen zum Schw\u00e4rmen zu bringen. Die Ma\u00dfnahmen der K\u00f6niginnenzucht waren damals noch weitgehend unbekannt. So griff er zur Methode der Herzwabe; \u00e4hnlich dem Bogenschnitt; und erzeugte eine Reihe von K\u00f6niginnen als Nachzucht aus seinem \u201eElitevolk\u201c, das in der Beute Nr. 47 untergebracht war. Nach dieser Beutennummer nannte er zun\u00e4chst auch seinen Stamm, den Stamm 47.<\/p>\n<p>Von da an besch\u00e4ftigte sich Sklenar intensiv mit der Auslese. Zu Hilfe kam ihm seine einmalige Beobachtungsgabe und die F\u00e4higkeit, aus den gemachten Beobachtungen die richtigen Folgerungen zu ziehen. Er ging konsequent und stetig den von ihm als richtig erkannten Weg. Sein Grundsatz lautete: \u201egrau, sanft, ruhig\u201c, womit er die Hauptmerkmale der Carnica erfasste. Zielstrebig weiselte er alle Nicht-Mutterv\u00f6lker um. In den V\u00f6lkern f\u00f6rderte er die Drohnenzucht. Zeitig gab er auch K\u00f6niginnen an die Nachbarimker ab. So gelang ihm innerhalb eines reinen Carnicagebietes auch ohne Belegstelle einen relativ einheitlichen Stamm mit guten Eigenschaften zu z\u00fcchten.<\/p>\n<p>Guido Sklenar war aber auch wie mancher andere Z\u00fcchter aus dem alten gro\u00df-\u00f6sterreichischen Carnica-Bereich ein t\u00fcchtiger Gesch\u00e4ftsmann. Er pries seinen Stamm 47 im deutschsprachigen Raum an, gr\u00fcndete im Mai 1922 seine Fachzeitschrift \u201eMein Bienenm\u00fctterchen\u201c und gab seine Erkenntnisse und Erfahrungen einem breiten Publikum weiter. Da der Stamm 47 nicht nur \u00fcber Ruhe und Flei\u00df der Carnica verf\u00fcgte, sondern im Gegensatz zu den vielen Importen aus Slowenien mit seiner Schwarmbienenzucht in Bauernk\u00e4sten auch wesentlich schwarmtr\u00e4ger war, fand Sklenar in Deutschland viele dankbare Abnehmer. In den Jahren 1930 bis 1938 wurden st\u00e4ndig 10 Pflegev\u00f6lker, die w\u00f6chentlich ca. 200 Weiselzellen lieferten, gehalten. Allerdings vermischten sich die Nachzuchten in Deutschland mit der \u00fcberwiegend dunklen Landrasse, so dass ihre erw\u00fcnschten Carnica \u2013 Eigenschaften nicht erhalten blieben und man st\u00e4ndig auf neue Importe aus Mistelbach angewiesen war.<\/p>\n<p>Mit den Erkenntnissen zur merkmalsm\u00e4\u00dfigen Unterscheidung der Rassen wurde im 3.Reich 1937 das Zuchtwesen ausgebaut und neu organisiert. Es wurde auf die Hochzucht und Anerkennung der heimischen, dunklen Mellifera-Biene abgestellt. Die Carnica und so auch der Stamm 47 geh\u00f6rte nicht dazu, so dass deren Einfuhr offiziell nicht zugelassen war. Dies \u00e4nderte sich erst 1938 mit dem Anschluss \u00d6sterreichs an das Deutsche Reich.<\/p>\n<p>Sklenar wurde im Mai 1939 mit der h\u00f6chsten imkerlichen Auszeichnung, der \u201e Silbernen Wabe\u201c geehrt und von der Reichsfachgruppe Imker als Reinz\u00fcchter anerkannt. Sein Stamm 47 hie\u00df fortan 47 Stamm Sklenar.<\/p>\n<p>Gleichzeitig erfolgte die Anerkennung der Belegstelle Hirschgrund in der N\u00e4he von Mistelbach als erste Belegstelle \u00d6sterreichs. Die Zuchtarbeit verlief von diesem Zeitpunkt an \u00fcber diese Belegstelle. Sie war jedoch genauso unsicher wie viele andere Belegstellen auch, da der Bienen freie Umkreis nicht ausreichend war und den damaligen Vorstellungen entsprechend nur ein Drohnenvolk aufgestellt wurde. Trotzdem wurden j\u00e4hrlich die ca. 5000 angelieferten K\u00f6niginnen ausreichend begattet.<\/p>\n<p>Durch verschiedene Umst\u00e4nde und Unstimmigkeiten zwischen dem Haus Sklenar und der Reichsfachgruppe der Imker wurde der Stamm Sklenar 1944 abgek\u00f6rt. Erst nach dem Krieg erfuhr Sklenar, insbesondere durch die Leistungspr\u00fcfungsergebnisse von Reininghaus im Landesverband Westf\u00e4lischer Lippischer Imker eine z\u00fcchterische Anerkennung. Gerade von dem Landesinstitut in M\u00fcnster und dem Landesverband Westf\u00e4lischer und Lippischer Imker wird die Zucht der Sklenarbiene besonders gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Mit dem Tod von Guido Sklenar 1953 \u00fcbernahm seine Tochter Hannerl Weber-Sklenar die Zuchtarbeit. Bald kam es zu Klagen \u00fcber viele aus Mistelbach bezogenen K\u00f6niginnen. Es stellte sich heraus, dass bedingt durch Ver\u00e4nderungen in der Landwirtschaft viele Imker dieses Raumes gezwungen waren, mit ihren Bienen in das Waldviertel und die s\u00fcd\u00f6stlichen Ausl\u00e4ufer des B\u00f6hmerwaldes zu wandern.<\/p>\n<p>Mischpaarungen, von denen schlie\u00dflich auch die Bienenst\u00e4nde Sklenars nicht verschont blieben. Die anf\u00e4nglich aufgestellte Behauptung, die Sklenarbiene sei keine reine Carnica, sondern aus einer \u00dcbergangsform zwischen Carnica und Mellifera am Rande der Verbreitungsgebietes der Carnica entstanden, lie\u00df sich nicht erh\u00e4rten, vor allem aber keine dauerhaften z\u00fcchterischen Erfolge gew\u00e4hrleisten. So erkannte man in Deutschland seit Mitte 1987 von den Sklenarz\u00fcchtern allgemein den Merkmalstandard f\u00fcr die Carnica an.<\/p>\n<p>Vor dem Krieg galt der Landwirt Hupfeld aus Altenritte bei Kassel als erfahrener Sklenarz\u00fcchter, der \u00fcber hervorragendes Material verf\u00fcgte, das sich besonders durch seine Rotkleef\u00e4higkeit auszeichnete. Eine der gr\u00f6\u00dften Belegeinrichtungen f\u00fcr die Sklenarbiene war Ende der drei\u00dfiger Jahre die Belegeinrichtung Oberhof in Th\u00fcringen.<\/p>\n<p>\u00dcber die Inselbelegstelle Oie in der Ostsee entstand der Stamm Alba, der aber bald an Bedeutung verlor.<\/p>\n<p>Heute sind die Sklenarz\u00fcchter weitgehend in dem bereits vor dem 2. Weltkrieg gegr\u00fcndeten Sklenarbund organisiert. Z\u00fcchterringe, Beleg- und Besamungsstellen sowie Pr\u00fcfst\u00e4nde werden betrieben. Besonders in Bayern ist die Zucht des Stammes Sklenar weit verbreitet. Als Inselbelegstellen werden die Hamburger Hallig (nordfriesische Nordseek\u00fcste) sowie Borkum und Juist (beide Ostfriesische Nordseek\u00fcste) mit Sklenarmaterial beschickt, wobei Juist mit j\u00e4hrlich ca. 1500 K\u00f6niginnen zu dem am st\u00e4rksten beschickten Inselbelegstellen geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Nach den Angaben des Sklenarbundes wird Linienzucht betrieben, wobei \u00fcber die verf\u00fcgbaren Belegeinrichtungen sieben verschiedene Linien gef\u00fchrt werden, die wie folgt beschrieben werden.<\/p>\n<p><strong>47\/P\/1<br \/>\n<\/strong>Eine sehr alte Linie, deren V\u00f6lker sich besonders durch hohen Polleneintrag auszeichnen.<br \/>\nDieses Merkmal schlug sich in dem \u201eP\u201c als Teil der Linienbezeichnung nieder. Die Nr. 1 war die Kastennummer des Urzuchtvolkes. Eine besondere Bedeutung kam dieser Linie als Kombinationslinie bei der Anpaarung zu.<\/p>\n<p><strong>47\/9\/26<br \/>\n<\/strong>Ebenfalls eine sehr alte Linie, die sich durch langlebige K\u00f6niginnen auszeichnet. Die V\u00f6lker werden als \u201eH\u00fcngler\u201c bezeichnet und sind sehr gute Winterversorger. Weitere Kennzeichen sind die ausgepr\u00e4gte Schwarmtr\u00e4gheit, hohe Leistung und Sanftmut. Es werden starke V\u00f6lker mit dunklen Bienen aufgebaut.<\/p>\n<p><strong>47\/19\/48<br \/>\n<\/strong>Diese Urzuchtlinie ist lammfromm, brutfreudig, sehr schwarmtr\u00e4ge und erbringt eine hohe Leistung. Auch diese Linie wurde als Kombinationslinie empfohlen.<\/p>\n<p><strong>47\/9\/15<br \/>\n<\/strong>Diese sehr alte Linie ist einheitlich grau, hat mittelstarke V\u00f6lker und ist besonders brutfreudig. Sie wurde weiterhin als flotte, temperamentvolle Biene bezeichnet.<\/p>\n<p><strong>47\/9\/24<br \/>\n<\/strong>Diese Linie bildet ebenfalls mittelstarke V\u00f6lker, ist sanftm\u00fctig und erbringt eine hohe Leistung. Als ebenfalls brutfreudige Linie bildet sie zum Herbst starke V\u00f6lker.<\/p>\n<p><strong>47\/H\/47<br \/>\n<\/strong>Diese Linie wurde der Tochter Sklenars, Hannerl, gewidmet. Die Bezeichnung der Linie setzt sich aus folgenden Kriterien zusammen. Stamm\/Hannerl\/Stock-Nr. Diese Linie wurde als unverw\u00fcstlich, sehr harte Biene, mit einem ausgepr\u00e4gten Putztrieb beschrieben. Sie bildet mittelstarke V\u00f6lker und ist temperamentvoller als die 47\/G\/10. Die V\u00f6lker erbringen eine gute Leistung und sind Selbstversorger. Bei einer ausgepr\u00e4gten Schwarmtr\u00e4gheit entwickeln sich die brutfreudigen V\u00f6lker zum Sp\u00e4therbst zu starken V\u00f6lkern. Sie wird auch als \u201eFr\u00fchaufsteher\u201c bezeichnet.<\/p>\n<p><strong>47\/G\/10<br \/>\n<\/strong>Diese Linie wurde anl\u00e4sslich des 10. Todestages Guido Sklenars 1963 der \u00d6ffentlichkeit vorgestellt. Sie wurde als lammfromme Kinderbiene und sanftm\u00fctigste Sklenarbiene beschrieben. Sie bildet sehr starke, brutfreudige V\u00f6lker und lagert wenig Honig im Brutraum ab. Als schwarmtr\u00e4ge Biene erbringen die V\u00f6lker eine hohe Leistung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Historie der Carnica Sklenar-Biene Der Stamm 47 &#8211; Verkaufsschlager aus Mistelbach Guido Sklenar Guido Sklenar geboren am 15. Juni 1871; gestorben am 25. Mai 1953 in Mistelbach war Lehrer und \u00d6konomierat und Z\u00fcchter der Carnica-Linie. Im Weinviertel \u00d6sterreichs, also am Rande des eigentlichen Verbreitungsgebietes der Carnica, befasste sich Guido Sklenar mit der Selektion der bodenst\u00e4ndigen Biene. 1890 war er als Junglehrer nach Mistelbach gekommen, baute selbst einen Bienenstand auf und \u00fcbernahm kurze Zeit sp\u00e4ter zus\u00e4tzlich den Stand seines Schwiegervaters mit weiteren 36 V\u00f6lkern, so dass er insgesamt 50 V\u00f6lker bewirtschaftete. Schon im ersten Jahr fiel ihm eines seiner V\u00f6lker besonders auf; es lieferte den meisten Honig. Zudem unterschied es sich von den anderen V\u00f6lkern durch seine einmalige Ruhe und Sanftmut, die Stetigkeit der Winterversorgung und seine Wetterfestigkeit. Es flog auch dann noch, wenn die anderen V\u00f6lker daheim blieben. Bemerkenswert war auch die Anlage des Brutnestes. Von oben nach unten zeigten die Waben einen sch\u00f6nen Honigkranz, dem ein Streifen Pollen folgte, der dann die Brut umschloss. Dazu kam noch die gute \u00dcberwinterung mit auffallend geringem Totenfall. Ausgewintert kaum mittelstark, \u00fcberholte es in \u00fcberraschend kurzer Zeit alle anderen V\u00f6lker. Auch in den beiden n\u00e4chsten Jahren, als Sklenars Stand auf 70 V\u00f6lker angewachsen war, best\u00e4tigten sich diese Eigenschaften und das Volk lag wiederum in der Leistung an der Spitze. Der einzige Nachteil war die starke Verwendung von Propolis, Sklenar wollte von diesem Volk vermehren, aber es war durch keinerlei Ma\u00dfnahmen zum Schw\u00e4rmen zu bringen. Die Ma\u00dfnahmen der K\u00f6niginnenzucht waren damals noch weitgehend unbekannt. So griff er zur Methode der Herzwabe; \u00e4hnlich dem Bogenschnitt; und erzeugte eine Reihe von K\u00f6niginnen als Nachzucht aus seinem \u201eElitevolk\u201c, das in der Beute Nr. 47 untergebracht war. Nach dieser Beutennummer nannte er zun\u00e4chst auch seinen Stamm, den Stamm 47. Von da an besch\u00e4ftigte sich Sklenar intensiv mit der Auslese. Zu Hilfe kam ihm seine einmalige Beobachtungsgabe und die F\u00e4higkeit, aus den gemachten Beobachtungen die richtigen Folgerungen zu ziehen. Er ging konsequent und stetig den von ihm als richtig erkannten Weg. Sein Grundsatz lautete: \u201egrau, sanft, ruhig\u201c, womit er die Hauptmerkmale der Carnica erfasste. Zielstrebig weiselte er alle Nicht-Mutterv\u00f6lker um. In den V\u00f6lkern f\u00f6rderte er die Drohnenzucht. Zeitig gab er auch K\u00f6niginnen an die Nachbarimker ab. So gelang ihm innerhalb eines reinen Carnicagebietes auch ohne Belegstelle einen relativ einheitlichen Stamm mit guten Eigenschaften zu z\u00fcchten. Guido Sklenar war aber auch wie mancher andere Z\u00fcchter aus dem alten gro\u00df-\u00f6sterreichischen Carnica-Bereich ein t\u00fcchtiger Gesch\u00e4ftsmann. Er pries seinen Stamm 47 im deutschsprachigen Raum an, gr\u00fcndete im Mai 1922 seine Fachzeitschrift \u201eMein Bienenm\u00fctterchen\u201c und gab seine Erkenntnisse und Erfahrungen einem breiten Publikum weiter. Da der Stamm 47 nicht nur \u00fcber Ruhe und Flei\u00df der Carnica verf\u00fcgte, sondern im Gegensatz zu den vielen Importen aus Slowenien mit seiner Schwarmbienenzucht in Bauernk\u00e4sten auch wesentlich schwarmtr\u00e4ger war, fand Sklenar in Deutschland viele dankbare Abnehmer. In den Jahren 1930 bis 1938 wurden st\u00e4ndig 10 Pflegev\u00f6lker, die w\u00f6chentlich ca. 200 Weiselzellen lieferten, gehalten. Allerdings vermischten sich die Nachzuchten in Deutschland mit der \u00fcberwiegend dunklen Landrasse, so dass ihre erw\u00fcnschten Carnica \u2013 Eigenschaften nicht erhalten blieben und man st\u00e4ndig auf neue Importe aus Mistelbach angewiesen war. Mit den Erkenntnissen zur merkmalsm\u00e4\u00dfigen Unterscheidung der Rassen wurde im 3.Reich 1937 das Zuchtwesen ausgebaut und neu organisiert. Es wurde auf die Hochzucht und Anerkennung der heimischen, dunklen Mellifera-Biene abgestellt. Die Carnica und so auch der Stamm 47 geh\u00f6rte nicht dazu, so dass deren Einfuhr offiziell nicht zugelassen war. Dies \u00e4nderte sich erst 1938 mit dem Anschluss \u00d6sterreichs an das Deutsche Reich. Sklenar wurde im Mai 1939 mit der h\u00f6chsten imkerlichen Auszeichnung, der \u201e Silbernen Wabe\u201c geehrt und von der Reichsfachgruppe Imker als Reinz\u00fcchter anerkannt. Sein Stamm 47 hie\u00df fortan 47 Stamm Sklenar. Gleichzeitig erfolgte die Anerkennung der Belegstelle Hirschgrund in der N\u00e4he von Mistelbach als erste Belegstelle \u00d6sterreichs. Die Zuchtarbeit verlief von diesem Zeitpunkt an \u00fcber diese Belegstelle. Sie war jedoch genauso unsicher wie viele andere Belegstellen auch, da der Bienen freie Umkreis nicht ausreichend war und den damaligen Vorstellungen entsprechend nur ein Drohnenvolk aufgestellt wurde. Trotzdem wurden j\u00e4hrlich die ca. 5000 angelieferten K\u00f6niginnen ausreichend begattet. Durch verschiedene Umst\u00e4nde und Unstimmigkeiten zwischen dem Haus Sklenar und der Reichsfachgruppe der Imker wurde der Stamm Sklenar 1944 abgek\u00f6rt. Erst nach dem Krieg erfuhr Sklenar, insbesondere durch die Leistungspr\u00fcfungsergebnisse von Reininghaus im Landesverband Westf\u00e4lischer Lippischer Imker eine z\u00fcchterische Anerkennung. Gerade von dem Landesinstitut in M\u00fcnster und dem Landesverband Westf\u00e4lischer und Lippischer Imker wird die Zucht der Sklenarbiene besonders gef\u00f6rdert. Mit dem Tod von Guido Sklenar 1953 \u00fcbernahm seine Tochter Hannerl Weber-Sklenar die Zuchtarbeit. Bald kam es zu Klagen \u00fcber viele aus Mistelbach bezogenen K\u00f6niginnen. Es stellte sich heraus, dass bedingt durch Ver\u00e4nderungen in der Landwirtschaft viele Imker dieses Raumes gezwungen waren, mit ihren Bienen in das Waldviertel und die s\u00fcd\u00f6stlichen Ausl\u00e4ufer des B\u00f6hmerwaldes zu wandern. Mischpaarungen, von denen schlie\u00dflich auch die Bienenst\u00e4nde Sklenars nicht verschont blieben. Die anf\u00e4nglich aufgestellte Behauptung, die Sklenarbiene sei keine reine Carnica, sondern aus einer \u00dcbergangsform zwischen Carnica und Mellifera am Rande der Verbreitungsgebietes der Carnica entstanden, lie\u00df sich nicht erh\u00e4rten, vor allem aber keine dauerhaften z\u00fcchterischen Erfolge gew\u00e4hrleisten. So erkannte man in Deutschland seit Mitte 1987 von den Sklenarz\u00fcchtern allgemein den Merkmalstandard f\u00fcr die Carnica an. Vor dem Krieg galt der Landwirt Hupfeld aus Altenritte bei Kassel als erfahrener Sklenarz\u00fcchter, der \u00fcber hervorragendes Material verf\u00fcgte, das sich besonders durch seine Rotkleef\u00e4higkeit auszeichnete. Eine der gr\u00f6\u00dften Belegeinrichtungen f\u00fcr die Sklenarbiene war Ende der drei\u00dfiger Jahre die Belegeinrichtung Oberhof in Th\u00fcringen. \u00dcber die Inselbelegstelle Oie in der Ostsee entstand der Stamm Alba, der aber bald an Bedeutung verlor. Heute sind die Sklenarz\u00fcchter weitgehend in dem bereits vor dem 2. Weltkrieg gegr\u00fcndeten Sklenarbund organisiert. Z\u00fcchterringe, Beleg- und Besamungsstellen sowie Pr\u00fcfst\u00e4nde werden betrieben. Besonders in Bayern ist die Zucht des Stammes Sklenar weit verbreitet. Als Inselbelegstellen werden die Hamburger Hallig (nordfriesische Nordseek\u00fcste) sowie Borkum und Juist (beide Ostfriesische Nordseek\u00fcste) mit Sklenarmaterial beschickt, wobei Juist mit j\u00e4hrlich ca. 1500 K\u00f6niginnen zu dem am st\u00e4rksten beschickten Inselbelegstellen geh\u00f6rt. Nach den Angaben des Sklenarbundes wird Linienzucht betrieben, wobei \u00fcber die verf\u00fcgbaren Belegeinrichtungen sieben verschiedene Linien gef\u00fchrt werden, die wie folgt beschrieben werden. 47\/P\/1 Eine sehr alte Linie, deren V\u00f6lker sich besonders durch hohen Polleneintrag auszeichnen. Dieses Merkmal schlug sich in dem \u201eP\u201c als Teil der Linienbezeichnung nieder. Die Nr. 1 war die Kastennummer des Urzuchtvolkes. Eine besondere Bedeutung kam dieser Linie als Kombinationslinie bei der Anpaarung zu. 47\/9\/26 Ebenfalls eine sehr alte Linie, die sich durch langlebige K\u00f6niginnen auszeichnet. Die V\u00f6lker werden als \u201eH\u00fcngler\u201c bezeichnet und sind sehr gute Winterversorger. Weitere Kennzeichen sind die ausgepr\u00e4gte Schwarmtr\u00e4gheit, hohe Leistung und Sanftmut. Es werden starke V\u00f6lker mit dunklen Bienen aufgebaut. 47\/19\/48 Diese Urzuchtlinie ist lammfromm, brutfreudig, sehr schwarmtr\u00e4ge und erbringt eine hohe Leistung. Auch diese Linie wurde als Kombinationslinie empfohlen. 47\/9\/15 Diese sehr alte Linie ist einheitlich grau, hat mittelstarke V\u00f6lker und ist besonders brutfreudig. Sie wurde weiterhin als flotte, temperamentvolle Biene bezeichnet. 47\/9\/24 Diese Linie bildet ebenfalls mittelstarke V\u00f6lker, ist sanftm\u00fctig und erbringt eine hohe Leistung. Als ebenfalls brutfreudige Linie bildet sie zum Herbst starke V\u00f6lker. 47\/H\/47 Diese Linie wurde der Tochter Sklenars, Hannerl, gewidmet. Die Bezeichnung der Linie setzt sich aus folgenden Kriterien zusammen. Stamm\/Hannerl\/Stock-Nr. Diese Linie wurde als unverw\u00fcstlich, sehr harte Biene, mit einem ausgepr\u00e4gten Putztrieb beschrieben. Sie bildet mittelstarke V\u00f6lker und ist temperamentvoller als die 47\/G\/10. Die V\u00f6lker erbringen eine gute Leistung und sind Selbstversorger. Bei einer ausgepr\u00e4gten Schwarmtr\u00e4gheit entwickeln sich die brutfreudigen V\u00f6lker zum Sp\u00e4therbst zu starken V\u00f6lkern. Sie wird auch als \u201eFr\u00fchaufsteher\u201c bezeichnet. 47\/G\/10 Diese Linie wurde anl\u00e4sslich des 10. Todestages Guido Sklenars 1963 der \u00d6ffentlichkeit vorgestellt. Sie wurde als lammfromme Kinderbiene und sanftm\u00fctigste Sklenarbiene beschrieben. Sie bildet sehr starke, brutfreudige V\u00f6lker und lagert wenig Honig im Brutraum ab. 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